Freitag, 1. Oktober 2010

Soll man vor der Restaurierung die ganze Karosserie sandstrahlen lassen?

Grundsätzlich ermöglicht das Sandstahlen einer Karosserie einen perfekten nachfolgenden Lackaufbau. Das einzige Problem beim Sandstrahlen ist der Verzug des Bleches und der Sand in den Hohlräumen. Das zweite wäre nicht das riesen Problem da man mit etwas Spielerei und den nötigen Geräten den Sand auch meistens überall wieder rausbekommt aber der Verzug ist das riesen Problem. Jedes einzelne kleine Sandkorn arbeitet, wenn es eine Entrostungswirkung haben soll, wie ein kleiner Hammer. Somit dehnt sich das Blech aus und es entstehen „Springbeulen“. Natürlich ist die Gefahr auf den geraden Außenflächen weitaus größer als bei den kleineren steifen Flächen. Es ist daher zu empfehlen, das der Sandstrahler nur die Fälze, Schweller, Fensterrahmen und den Unterboden bearbeiten und man danach besser die Außenflächen per Hand entrostet bzw entlackt. Eine teurere aber durchaus perfekte Lösung ist das Tauchentlacken mit einer nachträglichen KTL-Beschichtung. Dieses Verfahren ist aber nur bei hochpreisigen Oldtimern sinnvoll.

Hält ein Autolack Nitro aus?

Ein perfekt durchgehärteter Lack hält problemlos einige Zeit (ca. 1 Minute) eine Nitroverdünnung aus. Somit können ohne Probleme Klebstoffreste oder sonstige unerwünschte Sachen entfernt werden.  Natürlich ist bei liegenden Flächen darauf zu achten, dass das Nitro nicht direkt auf dem Lack stehen bleibt.

Mittwoch, 4. August 2010

Unterbodenschutz ist immer sinnvoll.

Stimmt nicht mehr - Bei den heutigen modernen Fahrzeugen ist der Großteil des Unterbodens mit Kunststoff bedeckt – daher ist dieser Schutz nicht mehr sinnvoll. Bei älteren Fahrzeugen schadet es nicht – allerdings darf der Unterbodenschutz nur auf rostfreien und grundierten Stellen aufgetragen werden.

Kunststoffteile müssen abgeschliffen werden um diese lackieren zu können.

Stimmt nicht – Kunststoffteile müssen gereinigt werden um so das restliche Trennmittel, welches von der Gussform ist, zu entfernen. Auf das gründlich gereinigte Teil wird dann ein spezieller Kunststoffprimer aufgetragen durch den man dann eine optimale Haftung zwischen Lack und Kunststoff erzielt.

Es gibt Klarlack auf Wasserbasis.

Stimmt nicht, da nur der Grundton (Basislack) auf Wasserbasis erhältlich ist. Klarlacke sind in der Reparatur immer 2K-Produkte. In der Serienfertigung gibt es teilweise aber Pulverlackierungen.

Alle Kunststoffe sind klebbar.

Stimmt nicht. Es gibt Kunststoffe, die so modifiziert sind, dass sie immer leicht ölig sind wodurch die Oberfläche glänzt. Aus diesem Grund sind diese nicht klebbar.

Eine schnelle Alternative zum Kleben ist Schweißen. Die meisten modernen Kunststoffe lassen sich problemlos schweißen und stehen auch in Punkto Haltbarkeit dem Kleben um nichts hinterher.

Wenn man einen Originallack vom Hersteller hätte dann muss nicht beilackiert werden:

Stimmt nicht – weil in der Serie die komplette Karosserie unter statischer Aufladung lackiert wird, ist es in der Reparatur nicht möglich, nur einzelne Neuteile zu lackieren ohne dass man einen Farbunterschied erkennt.

Zusätzlich spielt auch der Arbeitsluftdruck, das Material, der Lackierer und der Untergrund eine wichtige Rolle bei der Farbtongenauigkeit. Daher müssen bei Reparaturen mit einer 100%igen Lösung auch immer angrenzende Teile beilackiert werden.

Das heißt: angrenzende Teile werden bis ca. zur Hälfte mit dem Reparaturlack überzogen und der komplette angrenzende Teil bekommt einen Klarlacküberzug. Dadurch entsteht mehr oder weniger eine optische Täuschung, so dass keine Unterschiede mehr zwischen den Reparatur- und Originalteilen zu erkennen sind.

Spraydosen sind gut gegen Rostschutz.

Stimmt nicht: 1K-Produkte (Einkomponentenprodukte), wie sie meist in Spraydosen zu finden sind, sind oft nur Zwischenlösungen.
Die perfekte Lösung für den Lackaufbau: 1. Schicht: ein Säureprimer. 2. Schicht: Grundierfüller.
Von 1K-Produkten ist grundsätzlich immer abzuraten.

Steinschlagschutz (Bodyplast) hilft gegen Rost:

Stimmt nicht, da ein Steinschlagschutz keinen Schutz gegen Rost bietet sondern nur gegen auftreffende Steine.

Das heißt er bleibt elastisch und verhindert somit das Aufplatzen des Lackes bzw. der Grundierung. Der Steinschlagschutz gehört immer auf eine Grundierung abgetragen welche den nötigen Rostschutz übernimmt. Es gibt Steinschlagschutzarten die auf Wachsbasis aufgebaut sind – diese sind aber nicht überlackierbar, verhindern grundsätzlich aber eine Rostbildung.

Rostumwandler hilft bei angerosteten Stellen:

Einen Rostumwandler gibt es in einem Fachbetrieb nicht! Solche Produkte sind meist nur Augenauswischerei. Rost gehört so gut als möglich entfernt und danach durch einen fachmännischen 3-Schicht-Lackaufbau isoliert.

An Türfälzen sollte danach immer von innen noch eine Holraumversiegelung eingespritzt werden um so den größtmöglichen Schutz gegen das Weiterrosten zu haben. An Stellen welche nicht lackiert sind genügt oft auch etwas Mehrzweckfett, um so die Rostporen und das Metall von den Umwelteinflüssen abzuschirmen.

Eingefärbte Polierpasten sind besser um Kratzer zu beseitigen:

Stimmt nicht… Polierpasten haben grundsätzlich eine Schleiffunktion und daher wird damit vom Lack eine hauchdünne Schicht abgetragen - solang bis der Kratzer „weggeschliffen“ ist.

Dann wird die Oberfläche mit einer Hochglanzpolitur wieder aufpoliert. Eingefärbte Polierpasten sind daher sinnlos, da Polituren hauchdünne Schichten vom Lack abtragen bzw. den Lack wieder zum Glänzen bringen und nicht den Kratzer auffüllen.

Eingeklebte Windschutzscheiben müssen immer über Nacht trocknen...

Das stimmt nicht. Es gibt verschiedene Arten von Kleber, die schnellsten Kleber trocknen innerhalb von 15min aus.
Die meisten Scheibenkleber härten durch die Luftfeuchtigkeit aus – bei einer hohen Luftfeuchtigkeit trocknet der Kleber schneller ein.

Das heißt bei geringen Temperaturen und geringer Luftfeuchtigkeit dauert der Trocknungsvorgang dementsprechend länger – kurz gesagt: im Winter dauert es länger als im Sommer.

Scheiben können durch einen Steinschlag reißen?

Das stimmt: Das Hauptproblem bei einem Windschutzscheibensteinschlag sind die feinen Risse um den Einschlag. Der im Regenwasser enthaltene Schmutz dringt durch die Kapillarwirkung in den Riss ein und macht diesen dann irreparabel.

Deshalb werden in diesen Fällen Windschutzscheibenpflaster verwendet um das Eindringen von Schmutz zu verhindern. In seltenen Fällen kann der eingedrungene Schmutz und auch zusätzliche Verspannungen in der Karosserie (die Windschutzscheibe gehört heutzutage zu den tragenden Teilen) zum Reißen führen.

Da aber die Windschutzscheibe eine Verbundscheibe ist wird sie niemals in Stücke zerfallen sondern durch die Folie im inneren der Scheibe zusammengehalten. Natürlich können auch Temperaturunterschiede den Riss hervorrufen.

Faserkitt ist besser gegen Rost als normale Kitt

Grundsätzlich sind Polyestermaterialien (Kitt, Faserkitt, Spachtel, Spritzkitt, Spritzpolyester, Polyesterharz, Reparaturharz, Harz -> alles die gleiche Grundsubstanz) immer feuchtigkeitsanziehend (hygroskopisch) und deswegen auch rostfördernd.
Jegliche Polyesterprodukte sollten nicht direkt auf rostbefallenen Stellen aufgebracht werden und müssen auch nach dem Schleifen von Umwelteinflüssen geschützt werden. Am besten eignen sich Epoxigrundierungen zum Schützen.
Polyestermaterialen sollten daher auch nicht Nass geschliffen werden da ein sofortiges Überlackieren zu Blasenbildung führen kann.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Bei einer Einbrennlackierung herrschen Temperaturen von über 100°C

Das stimmt nicht...
Der Name kommt von der Vorgehensweise. Durch eine Flamme (daher einbrennen) wird die Luft auf ca. 70°C erhitzt und somit erreicht die Objekttemperatur ca. 60°C. Mit dieser Methode wird das Objekt (Teil oder Fahrzeug) für mind. 20min getrocknet und ist nach der Abkühlphase für die weitere Verarbeitung bereit.

Können Hageldellen durch einen Magneten entfernt werden?

Grundsätzlich nicht. Hageldellen werden entweder durch die Druckmethoden mit verschiedensten Hebeleisen von innen entfernt oder können durch Aufkleben von Klebepads von außen herausgezogen werden. Bei der Klebemethode kommen spezielle Heißkleber zum Einsatz mit denen dann die Delle meist überdehnt wird um diese danach in die gewünschte Lage zurück zu klopfen.


Es gibt Entwicklungen in Richtung magnetische "Hageldellenentfernung": das Problem bei dieser Methode sieht aber neben der teuren Geräte folgendermaßen aus: Jede Hageldelle ist verschieden tief und somit muss das Gerät jedes Mal neu eingestellt werden. Bei Rundungen, wie z.B. beim Dachholm, reicht auch die Magnetkraft teilweise nicht aus. Natürlich gibt es auch Aluminiumbauteile bei denen dieses Verfahren schon von vorhinein nicht angewendet werden kann.

Neulackierte Teile können ohne Probleme beklebt werden...

Das stimmt nur bedingt...


Wenn neulackierte Teile mind. eine Stunde mit einer Oberflächentemperatur von 60° Grad getrocknet wurden dann sind alle Lösungsmittel im Lack soweit verdunstet, dass das Teil beklebt werden kann. Natürlich kann man aber auch mind. eine Woche warten (im Sommer) um dann das Teil problemlos zu bekleben.